Erinnerungen

lang lang ist’s her

Unbenannt - 194

damals, als ich noch Kind war

 

Ich hab mal wieder in der “ Klamottenkiste “ gekramt und dabei dieses alte Einschulungsfoto  gefunden. Leider ist meine Klassenlehrerin nicht mit auf dem Bild. Diese Schule hatte auch nur zwei Klassenräume, vom 1. bis 4. Schuljahr und vom 5. bis 8. Schuljahr. Meine Lehrerin war bereits pensioniert doch da man keine Nachfolgerin fand die diese Landjugend unterrichten wollte wurde sie nochmals „aktiviert“ .

[ Als meine Tochter , mittlerweile selbst Mutter zweier Mädchen, noch zur Schule ging hatte ich eine rege Auseinandersetzung mit einer ihrer Klassenlehrerinnen. Ich hatte mir erlaubt einiges am Verhalten dieser Lehrerin zu kritisieren. Im laufe des Gesprächs verstieg sie sich zu der Aussage dass wir in diesen  Dorfschulen nur unzureichend unterrichtet wurden und unser Wissensstand wohl eher dem eines Sonderschülers gleichzusetzen gewesen wäre. Allerdings war sie dann recht beleidigt als ich ihr erklärte dass sie , die moderne Lehrerin, wahrscheinlich heulend aus der Klasse gelaufen wäre wenn sie diese Dorfjugend hätte unterrichten müssen. ]

Diese kleine alte Dame hatte selbst die schlimmsten unserer Bauernlümmel voll im Griff. Wenn ich manchmal sehe wie respektlos die Schüler heute mit ihren Lehrern umgehen bleibt mir wirklich nichts weiter übrig als den Kopf zu schütteln. Wenn unsere Lehrerin früher Aufgaben verteilte wurden sie widerspruchslos ausgeführt. Es wäre keiner auf die Idee gekommen sich quer auf die Bänke zu lümmeln und den Lehrer bzw. die Lehrerin zu ignorieren geschweige denn zu beschimpfen und zu beleidigen.

Was nicht bedeutet dass wir die reinsten Engel gewesen wären , Gott bewahre , doch unser Unfug hielt sich im Rahmen. Unverschämtheit , Frechheit oder gar Handgreif-lichkeiten gehörten nicht dazu. Unser ‚Follein‘ wurde geachtet . Sie kümmerte sich auch um die Familien die wirtschaftlich nicht so gut gestellt waren.

Zu der Zeit lebten in dem Dorf viele Flüchtlingskinder die nicht immer ausreichend zu essen hatten. Sie sorgte dafür dass die Dorfbewohner sich aktiv an der Unterstützung dieser Menschen beteiligte. Ja , wir gehörten auch zu diesen Benachteiligten.

Wir nahmen im Unterricht das Thema wetterangepasste Kleidung durch. Unter anderem kam diese Frage ‚ Wer zieht denn im Winter Kniestrümpfe an ?‘  Eigentlich eine rhetorische Frage zum besseren Verständnis , doch es gab da einen Zeigefinger der ganz zögerlich in die Höhe gestreckt wurde , nämlich meiner.  Mein Vater war Invalide, ohne Arbeit und mit einer Rente die zum leben und zum sterben nicht reichte. 80 DM  , davon gingen 20 DM für die Miete weg { eine zwei-Raum-Wohnung in einem alten Fachwerkhaus} und von den restlichen 60 DM mussten wir mit vier Personen leben. Da blieb nicht viel für Kleidung übrig.

Nun , nachdem ich mich dann zwangsläufig ‚geoutet‘ hatte besuchte meine Lehrerin ein paar alte Damen im Dorf und schon am anderen Tag hatte ich ein paar warme Wollstrümpfe Marke selbstgestrickt. Im Gegensatz zu den sonst üblichen ewig kratzenden Strümpfen waren diese sogar trageangenehm , zu der Zeit eher eine Seltenheit. Aber ich schweife ab , eigentlich wollte ich davon erzählen wie viel Mühe sich diese alte Dame gab ihren Schülerinnen und Schülern etwas bei zu bringen. Eine Lehrerin mit Leib und Seele der das Wohl ihrer Kinder am Herzen lag. Dafür ging aber auch keines dieser Kinder nach hause ohne die Grundkenntnisse in Lesen , Schreiben und Rechnen zu beherrschen. Ja , damals hatte man noch einfache Bezeichnungen für diese Schulfächer aber verstanden hat das jeder.

Unbenannt - 170

wohin die Reise wohl noch gehen wird?

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Über wolfcat01

was soll ich über mich erzählen? ich bin ein bisschen verrückt , unangepasst ,mehr als es sich für mein alter geziemt. bin Mutter, Oma , ab und zu auch Hausdrachen und , deshalb auch die Änderung, seit kurzem Rentnerin. Ach ja, einer meiner größten Fehler: ich neige manchmal zu Spontanentschlüssen ohne mir vorher Gedanken über die Folgen zu machen .....SORRY ;-)
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Eine Antwort zu Erinnerungen

  1. Clara HH schreibt:

    Liebe Wolfcat, das habe ich sehr gern gelesen, denn meine Mutter und meine Tochter sind auch solche Lehrerinnen mit Herzblut – na gut, meine Mutter ist schon tot und war lange in Rente, aber meine Tochter unterrichtet noch. – Sie interessiert sich auch für das Umfeld ihrer Schüler.
    Zu heute im Vergleich hat sich wirklich viel geändert – und nur weniges zum Positiven.
    Liebe Grüße von Clara
    Ich habe jetzt versucht, dich zu abonnieren, aber ich weiß nicht, ob mein Feedreader das „geschluckt“ hat.

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